Montag, Februar 19, 2018

Andrea Nahles (SPD): "Wenn's leicht wäre, könnte es ja ein Mann machen"

1. Vor einigen Tagen eröffnete Manuela Schwesig den Geschlechterkampf auch innerhalb der SPD mit der klaren Ansage "Wir sind klüger als die Männer!" Inzwischen bläst Andrea Nahles in dasselbe Horn.

Von den Leitmedien erhält Nahles dabei erwartungsgemäß Unterstützung. "Übrigens, sie ist eine Frau" titelt die "Zeit", "An alle Machos da draußen: Diese Frau ist das Herz der SPD" schlagzeilt der "Stern".

Das sprachlich korrekte Gendern beherrscht Nahles allerdings noch nicht perfekt: "Merkels Götterinnendämmerung hat begonnen" erklärte sie vergangene Woche. Ob man damit die kommende Götterin Deutschlands wird?



2. "Ist der Feminismus links oder rechts?" fragt Lucas Schoppe in einem durchgehend lesenswerten Beitrag.



3. Die Neue Zürcher Zeitung hat die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff gefragt, ob die Political Correctness zum Problem werde:

Dass man ernsthaft darüber diskutiert, ob ein Bild von Balthus aus dem Metropolitan Museum entfernt werden soll, weil es ein junges Mädchen voyeuristisch darstellt; dass man in den USA Studenten vor Literatur warnt, die Sex- oder Gewaltdarstellungen enthalten; dass man ein Gedicht von Eugen Gomringer übermalt, weil das enthusiastische Lob von Blumen, Alleen und Frauen bei ein paar Studentinnen die Sexismus-Falle zuschnappen lässt: Das ist für Sibylle Lewitscharoff unerträglich.

(...) Solche Angriffe gingen immer von den spiessigsten Kleingeistern aus: "Von Leuten, die intellektuell nix taugen." Von Menschen, die weder verstehen wollten noch könnten, dass Kunst mit Lust zu tun habe und sich halt nicht immer in den Bahnen des Braven, Wohlanständigen bewege. "Die wollen die Enge, die sie in ihren eigenen Köpfen haben, auch allen anderen überstülpen – denen, die mehr denken können, die weiter ausgreifen, die mehr erleben, vielleicht auch sexuell." Der verbissene Kampf für eine völlig übertriebene Political Correctness sei im Grunde Ausdruck von Hass, sagt sie. "Das ist doch blanker Hass auf Menschen, die es wagen, mehr auszuprobieren in ihrem Leben."

Samstag, Februar 17, 2018

Neue Vorwürfe sexueller Belästigung gegen MeToo-Vorkämpferin – News vom 17. Februar 2018

1. Es gibt eine Person, die in der MeToo-Debatte angeprangert wird, über die die deutschen Medien (mit Ausnahme eines Online-Artikels des "Stern") NICHT berichten: die kalifornische Politikerin und MeToo-Aktivistin Cristina Garcia. Gegen sie haben jetzt vier weitere Mitarbeiter Vorwürfe der sexuellen Belästigung eingereicht:

Die Beschwerdeführer behaupten, dass Garcia regelmäßig vor dem Personal über ihre sexuelle Aktivitäten, auch mit anderen Mitarbeitern, gesprochen habe. Sie behaupten auch, dass Garcia Alkohol getrunken habe, während sie offizielle Versammlungsgeschäfte durchführte, und dass das Personal unter Druck gesetzt wurde, sie beim Trinken im Büro oder in Bars zu begleiten.

Garcia erklärte in einem Facebook-Post, dass sie jedes der Themen einzeln ansprechen werde, sobald eine Untersuchung abgeschlossen sei. Sie behauptete, dass die Ansprüche nicht mit der Atmosphäre übereinstimmen, für die sie gearbeitet habe: "Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Mitarbeiter stets fair und respektvoll behandelt habe".

(...) Zusätzlich zu der sexuellen Belästigung wird in dem Brief behauptet, Garcia habe ein feindseliges Arbeitsumfeld geschaffen, indem sie gegenüber ihren Mitarbeitern "rachsüchtig" sei, und sie habe ihre Autorität missbraucht, indem sie ihre Mitarbeiter aufforderte, private Dienstleistungen wie die Pflege ihrer Hunde zu übernehmen. Der Brief behauptet auch, dass Garcia die Mitarbeiter gebeten habe, während deren Arbeitszeit für den Staat Kalifornien ihr und anderen Gesetzgebern bei Kampagnenaktivitäten zu helfen.




2. Das Blog Red Pill Berlin hat die rhetorischen Mätzchen analysiert, mit denen Carolin Wiedemann in ihrem FAZ-Artikel "All die schwachen weißen Männer" über Professor Jordan Peterson berichtet.



3. Das Blog von Martin Balluch hat als Schwerpunktthema eigentlich Tierrechte. In einem aktuellen Blogbeitrag beschäftigt er sich allerdings mit der Geschlechterdebatte: "Toxic Masculinity", "Supertoxic Black Masculinity" – oder eher Toxic Feminism.

Mit diesem Beitrag stößt er in der Kommentarspalte darunter und auf Facebook nicht gerade auf ungeteilte Begeisterung. Erwiderungen, die das Stimmungsbild der Kritik gut wiedergeben, lauten:

Gerade wenn es um Feminismus geht fühlen sich Männer immer wieder sehr leicht gekränkt und angegriffen. Und das obwohl es (so gut wie immer) keinen Grund dafür gibt. Man muss sich einfach nur mal mehr mit der Materie beschäftigen.


Bisher habe ich deine Arbeit unterstützt, Martin Balluch. Nun trennen sich unsere Wege. Du vergaloppierst dich mit diesen Text ganz gewaltig. Unfassbar.


Voll eine in die Eier gekriegt! Bleib lieber bei den Vichern.




4. Das ZDF findet nach einer internen Überprüfung keine Hinweise auf sexuelle Übergriffe Dieter Wedels.



5. Der WDR tut etwas ganz Ungewöhnliches: Er fragt Was sagen eigentlich Männer zu MeToo?



6. An der renommierten University of California, Los Angeles, studieren geschätzte 42.000 Studenten. Letzten Dienstag wurde dort eine Veranstaltung zum Thema "toxische Männlichkeit" angeboten.

Es erschienen zehn Leute.

Das Klima an US-amerikanischen Hochschulen wird von einer kleinen Minderheit geprägt.



7. Die kanadische National Post berichtet:

Die aktuelle Ausgabe des Maclean-Magazins beklagt auf clevere Weise das Lohngefälle zwischen Mann und Frau, indem sie am Kiosk für Männer und Frauen unterschiedliche Preise verlangt. "Gleiche Bezahlung: Ein Magazin nach dem anderen", heißt es auf dem Titelblatt. Und es geht weiter: "Diesen Monat zahlen Frauen $6,99" für diese Ausgabe, aber "Männer zahlen $8,81". Der Unterschied imitiert die "schockierenden 26 Prozent Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen, die es in Kanada immer noch gibt".

Die Preise sind mit einem Sternchen versehen, das unten auf der Seite zum Kleingedruckten führt: "In der Praxis können Kioskkunden natürlich jede gewünschte Coverversion kaufen. Der zusätzliche Erlös aus dem Verkauf des Männerdeckels wird an einen wohltätigen Zweck gespendet."

Die Absicht ist es, die demütigende Ungerechtigkeit verschiedener Preise für verschiedene Geschlechter für genau dasselbe Produkt zu zeigen. Unbeabsichtigterweise zeigt das Gimmick, warum die Vorstellung, dass eine solche Diskriminierung wettbewerbsfähige Märkte durchdringt, ein Schwindel ist. In Wirklichkeit argumentiert das Magazin so, wie es die meisten Wirtschaftswissenschaftler auch tun.

Denken Sie mal drüber nach. Das selbe Magazin - genau das selbe Magazin, es gibt keinen Unterschied im Inhalt - hat zwei Titelseiten, von denen eine Frauen $6,99, die andere Männer $8,81 kostet. Und die Menschen können frei zwischen ihnen wählen. Wird jemand die Version für $8.81 kaufen? Wenn Sie ein feministischer männlicher Politiker sind, zum Beispiel unser Premierminister, und die Kameras laufen, dann werden Sie es vielleicht tun, indem Sie scherzhaft Ihren Beitrag zur Wohltätigkeit betonen. Aber wenn Sie ein normaler Mensch sind, tun Sie das nicht. Sie kaufen für $6,99. So funktionieren Märkte. Sie können nicht genau dasselbe Produkt zu zwei verschiedenen Preisen an genau demselben Ort und zur gleichen Zeit verkaufen.

Nehmen wir also an, Sie sind auf dem Markt, nicht für Zeitschriften, sondern für Arbeit, und Sie haben die Chance, Frauenarbeit für 20 Dollar pro Stunde oder Männerarbeit für 25,20 Dollar pro Stunde zu kaufen, und die Arbeit, die jeder leistet, ist genau die gleiche. Was machen Sie? Angenommen, aus irgendeinem Grund denken Sie, dass Männer eher einen Job verdienen. Also beschäftigen Sie Männer für $25,20. Sie werden von Ihren Konkurrenten weggeputzt werden, die Frauen für $20 pro Stunde einstellen und genau das produzieren, was Sie produzieren, außer sie können es billiger verkaufen, da ihre Arbeitskosten sie weniger kosten. Es ist "das Gesetz des einen Preises": Identische Waren können nicht zu unterschiedlichen Preisen verkauft werden.

Freitag, Februar 16, 2018

Manuela Schwesig (SPD): "Wir sind klüger als die Männer!" – News vom 16. Februar 2018

1. Die SVZ hat die SPD-Politikerin Manuela Schwesig interviewt. Ein Auszug:

SVZ: Sie, Andrea Nahles, Malu Dreyer, Katarina Barley, Simone Lange: Jede Menge starke Frauen in der SPD drängen in den Vordergrund. Bahnt sich ein Frauenpower-Machtkampf an?

Schwesig: Das ist Quatsch. Wir sind klüger als die Männer. Wir werden nicht gegeneinander, sondern miteinander für die SPD arbeiten. Die alten Machtkämpfe der Männer haben der Partei massiv geschadet. Wir Frauen werden es anders machen!


Gestern sind die Spezialdemokraten auf 16 Prozent abgesackt: ein neuer Rekord.



2. In der Schweiz sollen Täter und Täterinnen künftig sogar dann wegen Vergewaltigung verurteilt werden können, wenn das Opfer männlich ist. Der Bundesrat sieht allerdings keinen dringenden Handlungsbedarf.



3. Das Wall Street Journal veröffentlichte gestern den Leserbrief eines Studenten der Politikwissenschaft, in dem es heißt:

Ich gehöre zu den Freidenkern der Portland State University, einer skeptischen Studentengruppe. Am Samstag veranstalten wir ein Panel zum Thema Vielfalt mit James Damore, dem Google-Mitarbeiter, der im vergangenen Juli entlassen wurde, weil er ein Memo verfasst hat, in dem er heterodoxe Ansichten über Geschlechterdisparitäten in der Belegschaft des Unternehmens zum Ausdruck bringt.

Wir erwarteten Kontroversen. Aber wir sind auch in Gefahr. Die linke Zeitung Willamette Week veröffentlichte einen Artikel mit einer falschen und aufrührerischen Überschrift: "Tech Bro Fired from Google for Saying Women Are Biological Unfit to Be Engineers Will Speak at PSU Next Month". Die Untertitelzeile schrieb Mr. Damore fälschlich die Ansicht zu, dass "Frauen nicht rechnen können".

Campus-Aktivisten nannten uns Frauenfeinde, weiße Rassisten, Neonazis. Eine Person, die behauptete, für die audiovisuellen Dienste des Campus zu arbeiten, tweetete, er könne durch einen Hintereingang in unsere Veranstaltung einbrechen und "buchstäblich das ganze Gebäude abschalten". Es wurde mit Gewalt gedroht. Ein Facebook-Nutzer - es ist nicht klar, ob er zur Universität gehört - schlug vor, dass er Mr. Damore auf der Bühne mit "aktiven Granaten" bewerfen würde. Die Campus-Polizei nahm diese Drohungen so ernst, dass sie trotz des überwältigenden Interesses unsere Forderung nach einem größeren Veranstaltungsort ablehnte.

PDX Women in Tech, eine lokale Aktivistengruppe, proklamierte sich selbst als "entmutigt und entsetzt", dass wir uns "in einen Diskurs ohne gegensätzliche Sichtweise einmischen". Wenn sie uns gefragt hätten, hätten sie gewusst, dass wir jede Professorin aus der Abteilung für Frauenstudien eingeladen und abgewiesen wurden. In der Zwischenzeit haben die Verwaltung und die Studentenregierung drei Gegenveranstaltungen organisiert, um "die Vorstellung, dass Frauen keine Ideen generieren" in Frage zu stellen - etwas, was Mr. Damore nie behauptet hat. Die Gegner versuchten auch, unserer Veranstaltung ein Publikum zu versagen, indem sie die Freikarten horteten und nicht nutzten.

(...) Die wahren Gläubigen der Intersektionalität neigen dazu, weit weniger tolerant zu sein als die traditionellen religiösen Gläubigen mit ihrer ausgefeilten Apologetik. Für Intersektionalisten ist Skepsis eine existenzielle Bedrohung. Ihre Überzeugungen in Frage zu stellen, so wurde mir gesagt, stellt das "Debattieren über das Existenzrecht von jemandem" dar.


In einem aktuellen Interview erklärt Steve Pinker, Professor für Psychologie an der Universität Harvard und Bestsellerautor, warum Intersektionalismus einen Feind der Werte der Aufklärung darstellt.



4. Der führende Krebshilfe-Verband in Großbritannien droht, das staatliche Gesundheitssystem zu verklagen, wenn Jungen der Schutz vor HPV weiter verweigert wird.



5. Im britischen Politikmagazin "Spectator" widmet sich dessen Mitherausgeber Rod Liddle zunächst dem Thema Frauenwahlrecht:

Es ist 100 Jahre her, seit Frauen das Wahlrecht haben, und ich habe an den Feiern teilgenommen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln – also attraktiven Frauen leicht das Knie getätschelt oder sanft ihre herrlichen Schultern massiert und zu ihnen fröhlich gesagt "Gut gemacht, Babes!" Einige reagieren mit Wut und Irritation auf meine herzlichen Glückwünsche, vor allem, wenn ich um ihre Telefonnummern bitte, damit wir das Wahlrecht weiter diskutieren können - was, wie ich vermute, ein Hinweis darauf ist, dass sie es eigentlich gar nicht haben wollten. Sicherlich übt es einen schrecklichen Druck auf sie aus: Sie sind gezwungen, alle fünf Jahre eine klare Entscheidung zu treffen.

Die Statistiken deuten darauf hin, dass viele Frauen diese Bürde zutiefst verabscheuen, wobei die Wahrscheinlichkeit bei Frauen doppelt so hoch wie bei Männern ist, bis zur letzten Minute beim "weiß nicht" zu bleiben: Man kann sie alle an Wahltagen sehen, wie sie sich in einer kleinen Wolke von Verwirrung auf den Weg zur Wahlkabine machen. Sie gehen häufiger als Männer wählen und wissen weniger häufig, worüber sie abstimmen. Ich denke also, dass dies in gewisser Weise einen Fortschritt darstellt. Es ist auch 100 Jahre her, dass die Arbeiterklasse das Wahlrecht erhalten hat, aber niemanden scheint das besonders zu interessieren.


Im weiteren Verlauf seines Artikels kommt Liddle auf seine Erfahrungen als leitender Redakteur bei der BBC zu sprechen:

In meiner Zeit haben die männlichen Produzenten wesentlich mehr verdient als die weiblichen Produzenten. Warum war das so? Institutionalisierter Sexismus und Ungerechtigkeit von meiner Seite, dem Redakteur? Nein. Die Mitarbeiter von "Today" werden in drei verschiedenen Schichten eingesetzt. Eine winzige Minderheit arbeitet in einer angnehmen Neun-bis-Fünf-Schicht am Planungstisch. Aber der Rest der Produzenten macht entweder einen 11-Stunden-Tag oder eine 13-Stunden-Nacht. Diese Nachtschichten sind ein Killer, buchstäblich und metaphorisch. Die Arbeit durch die Nacht ist ernsthaft gesundheitsschädlich und kann für das Familienleben katastrophal sein - und so erscheint mir das zusätzliche Geld, das den Menschen gezahlt wird, die diese schrecklichen Schichten auf sich genommen haben, völlig gerecht.

Nun, beide Geschlechter sollten die Nachtschicht übernehmen - schließlich kann man eine ordentliche Ausgabe von "Today" nicht ohne ein Team, das über Nacht arbeitet, herausbringen. Aber während meiner Zeit präsentierten immer mehr Frauen (die BBC) überzeugende Gründe, warum sie nicht über Nacht arbeiten konnten - meistens, aber keineswegs ausschließlich, wegen der Kinderbetreuung. Und so wurden sie freigestellt. Eine nach dem anderen kam zu mir und sagte: "Ich bin schwanger, kann keine Nächte machen, tut mir leid." Oder: "Ich habe Kinder - ich kann keine Nächte machen". Oder auch einfach: "Der Arzt sagt, ich kann keine Nächte machen".

Das "Today"-Übergabetreffen zwischen den beiden Teams fand um acht Uhr abends statt. Und ich konnte mit ansehen, wie das überwiegend weibliche Tagesteam die bleichen, rotäugigen, zombifizierten jungen Männer begrüßte, die zu ihrer dritten von drei aufeinander folgenden Nachtschichten auftauchten. Ich möchte hinzufügen, dass einige Frauen gerne auch nachts arbeiteten, aber weitaus weniger. Deshalb haben Männer im Jahr 2003 mehr Geld verdient als Frauen: Sie haben den gleichen Job gemacht, aber zu einer anderen, viel weniger angenehmen Zeit.

(...) Dies ist nur eines von einer Million Beispiele dafür, warum das geschlechtsspezifische Lohngefälle ein Mythos, eine Erfindung ist. Es gibt ein Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen, aber kein Verdienstgefälle. Machen Sie die gleiche Arbeit wie Männer und Sie erhalten den gleichen Betrag an Geld.

Donnerstag, Februar 15, 2018

Domina zwingt Männer, feministische Traktate zu lesen – News vom 15. Februar 2018

1. Eine besonders sadistische Kombination aus Folter und Gehirnwäsche hat sich eine Domina aus Chicago einfallen lassen:

Meine Kunden sind überwiegend weiße, heterosexuelle Männer aus guten Verhältnissen. Ich begreife meine Arbeit mit ihnen auch als eine Chance auf emotionale Wiedergutmachung. (...) Anstatt schwarze Frauen zu fetischisieren, sollen sie sich ihrer eigenen Rolle in diesem System der Unterdrückung bewusst werden. (...) Anschließend sprechen wir über die Thesen und oft sagen mir die Männer am Ende: "Darüber habe ich noch nie nachgedacht, das war sehr hilfreich." Sie wollen in jeder Hinsicht dominiert werden, nicht nur körperlich.


Nach dieser Nachricht sehe ich schon das halbe "Bundesforum Männer" nach Chicago pilgern ... Andererseits erhält man diese Form der Dominanz vom deutschen Frauenministerium ja kostenlos.

(Heide Oestreich von der "taz" hat mir mal vorgeworfen, mitunter sei Genderama schon arg polemisch. Ich weiß bis heute nicht, was sie damit meint.)



2. Okay, genug mit den Späßchen, die närrische Zeit ist vorbei. Machen wir ernsthafter weiter:

Die Schauspielerin Heike Makatsch hält die aktuelle "Me Too"-Debatte für zu aufgeheizt: "Es kommt mir so vor, dass gerade jeder differenziertere Gedanke zum Thema, der vielleicht auch mal eine Ambivalenz benennt oder sogar eine Lanze bricht für die Gegenseite, so an den Pranger gestellt wird, dass es fast schon etwas von einer Meinungsdiktatur hat."



3. Die "Zeit"-Journalistin Katja Nicodemus spricht sich gegen "absurde Stellvertreterkriege" in der MeToo-Debatte aus:

Hängt das Tuch über dem Geschlechtsteil des gekreuzigten Heilands nicht hie und da zu locker? Sollte man Bilder mit barbusigen Madonnen aus den Kirchen entfernen? Müsste man auch das tiefe Dekolleté der jungen Sophia Loren aus alten Fotos herausretuschieren? Oder das vom U-Bahn-Wind hochgewehte Kleid von Marilyn Monroe aus Billy Wilders Film "Das verflixte siebte Jahr"? Und warum nicht auch Kriegsbilder verbieten, Kreuzigungen überhaupt, Darstellungen mythologischer Morde? Und was ist mit diesem furchtbar aggressiven Blau von Yves Klein?




4. Im Linzer Presseclub werden die Folgen der MeToo-Kampagne diskutiert. Die in typischer Weise besetzte Runde verspricht eine lebhafte Diskussion, in der die unterschiedlichsten Meinungen aufeinanderprallen. Auf dem Podium sitzen Christina Hengstschläger, Leiterin des Autonomen Frauenzentrums; Erika Rippatha, Leiterin des AK-Frauenbüros; Doris Schulz, Landesleiterin der OÖVP-Frauen und Alexander Warzilek vom Österreichischen Presserat. Hier wird klar, warum unsere Journalisten uns dieses beeindruckende Maß an Meinungsvielfalt zu MeToo bieten.

Ich stelle fest, meinen Sarkasmus bekomme ich noch nicht ganz weg.



5. An der Universität San Diego gibt es infolge der MeToo-Kampagne einen bizarren Streit um Meinungsfreiheit und den Umgang mit Woody Allen:

Im Zentrum des Ganzen steht Savanah Lyon, eine 23-jährige Studentin der Theaterwissenschaften. Sie fordert, dass der Campus aufhört, einen Kurs über Allens Filme zu unterrichten, weil der Regisseur des sexuellen Missbrauchs seiner Adoptivtochter beschuldigt, aber nie angeklagt wurde. Sie glaubt, er sei der Aufmerksamkeit moralisch unwürdig.

Lyon schuf eine Online-Petition, um den Campus in dieser Angelegenheit unter Druck zu setzen. Bislang wurden etwa 15.000 Unterschriften gezählt, und es wurde eine beachtliche Menge an Werbung und Berichterstattung generiert.

"Wenn Sie eine Klasse haben, die Woody Allen im Titel hat, sagen Sie etwas zu den Überlebenden von sexuellem Missbrauch – dass diese Täter wieder einmal auf Podeste gestellt werden, die sie nicht verdienen", sagte Lyon.

Die Universität, die auf ihrer Website den Wert der freien Meinungsäußerung verkündet, hat beschlossen, fast nichts zu diesem Thema zu sagen.

Steven Adler, der preisgekrönte Theaterprofessor, der den Woody-Allen-Kurs unterrichtet, reagierte nicht auf Anfragen nach einem Interview. Auch Cristina Della Coletta, Dekanin der Abteilung für Kunst und Geisteswissenschaften, nicht. Bundeskanzler Pradeep Khosla hat seinen Kommentar verschoben, bis der Akademische Senat den Kurs überprüft hat.

Aber andere Mitglieder der Fakultät zögern nicht, über das Thema zu sprechen, das im Kern akademische Freiheit beinhaltet.

Wenn Sie den Woody-Allen-Kurs verbieten, "bedeutet das auch, dass Sie keinen Kurs über die Schriften von Adolf Hitler unterrichten sollten"? fragte Erwin Chemerinsky, der Verfassungsrechtler, der als Dekan der juristischen Fakultät an der UC Berkeley fungiert.


Hier geht es weiter.



6. Mehr als 130 Professoren warnen in einer gemeinsamen Verlautbarung, dass die aktuelle Parole "Glaubt den Opfern!" die Satanismus-Hysterie vergangener Jahrzehnte wiederbeleben könne. Damals waren mit demselben Motto noch die bizarrsten Behauptungen über massenhaften Kindesmissbrauch als sakrosankt behandelt worden.



7. Eine neue Studie hat untersucht, wie es generell um die Meinungsfreiheit an amerikanischen Universitäten bestellt ist. Das Ergebnis ist besorgniserregend:

Die von Gallup durchgeführte Studie "Inside Higher Ed's 2018 Survey of College and University Academic Officers" ist eine repräsentative landesweite Stichprobe von 516 Campusleitern aus 277 öffentlichen Einrichtungen, 223 privaten Einrichtungen und 16 gewinnorientierten Einrichtungen.

Wenn man sich durch die Ergebnisse pflügt, kann man sich dem Gefühl nicht entziehen, dass die Verantwortlichen der nationalen Hochschulen einen Anfall von vorsätzlicher Blindheit erleiden - und dass sie, schlimmer noch, kollektiv sicher zu sein scheinen, dass die Verantwortung woanders liegt. Zum Beispiel sagten nur 41 Prozent der Hochschul- und Universitätsleiter, dass die Rechte der freien Rede auf dem Campus der Nation sicher sind, und nur 36 Prozent sagten, dass die freie Rede in den Vereinigten Staaten als Ganzes sicher ist. Doch auf die Frage nach dem EIGENEN Campus bestanden 80 Prozent der Befragten darauf, dass dort die Rechte der freien Meinungsäußerung gesichert sind. Mit anderen Worten, Campusleiter sehen überall Bedrohungen für die Redefreiheit - außer auf dem eigenen Campus.


Das Ausgrenzen von Männerrechtlern und ihren Positionen ist nur ein Teil einer umfassenden Krise der Meinungsfreiheit im akademischen Bereich und unseren Medien insgesamt. Das enorme Gewicht, das dieses Problem in den letzten Jahren bekommen hat, ist einer der Gründe, warum ich auch als Linker inzwischen die FDP unterstütze. Wir brauchen dringend mehr Liberalität.



8. Die Universität Harvard verbietet studentische Vereinigungen, bei denen nur Angehörige ein und desselben Geschlechts Mitglied sind. Es sei denn natürlich, es handelt sich bei diesem Geschlecht um Frauen.



9. Jüdische Religionsführer haben in einem Offenen Brief gegen das in Island geplante Gesetz gegen Jungenbeschneidung Stellung bezogen – unbenommen des Umstands, dass es in Island kaum Juden (und Muslime) gibt:

"Dieser Brief könnte als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Islands aufgefasst werden. Und warum sollten wir uns darum kümmern? Der Grund dafür ist, dass Sie dabei sind, das Judentum auf eine Art und Weise anzugreifen, die Juden auf der ganzen Welt betrifft. Wenn irgendein Land, in dem es so gut wie keine christlichen Einwohner gibt, einen zentralen Ritus im Christentum verbieten würde, wie z.B. die Kommunion, dann sind wir sicher, dass die ganze christliche Welt ebenfalls reagieren würde."




10. Eine erschreckend hohe Todesrate gibt es unter alleinerziehenden Vätern in Kanada. Sie liegt dreimal so hoch wie bei alleinerziehenden Müttern und verpartnerten Vätern und fünfmal so hoch wie bei Müttern, die in einer Partnerschaft leben. Als denkbare Gründe nennt der verlinkte Artikel die hohe Belastung, der diese Väter ausgesetzt sind, sowie das fehlende Netzwerk für Unterstützung.

Über die Todesrate alleinerziehender Väter in Deutschland, wo es dieselben Probleme gibt, liegen mir keine Erkenntnisse vor.



11. Ein neuseeländisches Model, das einem Mann eine Weinflasche auf dem Hinterkopf zertrümmerte, entgeht einer Verurteilung, weil diese die Karriere der Frau gefährden würde.



12. Zum Schluss wird es jetzt doch wieder satirisch mit einer Meldung des Postillon: Baby sagt sein erstes Wort und diskriminiert damit mehrere Minderheiten.

Mittwoch, Februar 14, 2018

"Die Barbaren sind mitten unter uns" – News vom 14. Februar 2018

1.
Eine 33-Jährige soll einen Vaterschaftstest manipuliert und einen zeugungsunfähigen Mann zum zahlungspflichtigen Vater gemacht haben.


Hier erfährt man mehr darüber. Insgesamt hatte der Kuckucksvater rund 32.000 Euro Alimente gezahlt.



2. Der Berliner Tagesspiegel hat die ehemalige Frauenministerin Kristina Schröder zur Sexismus-Debatte interviewt:

Tagesspiegel: Sollen Frauen anzügliche Bemerkungen in Kauf nehmen?

Kristina Schröder: Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde die auch nicht gut. Aber Sie werden niemals die Regel durchsetzen können: "Nur noch geistreiche Komplimente". Darunter versteht jeder etwas anderes. Wenn Sie also tumbe Komplimente umgehen wollen, dann wird das nur mit der Verhaltensnorm "Gar keine Komplimente mehr" funktionieren. Dann müsste also die Anziehung zwischen Männern und Frauen im professionellen Kontext komplett ausgeblendet werden. Das würde dazu führen, dass sich Männer und Frauen im Büro wie rohe Eier behandeln und Sorge haben, miteinander alleine im Fahrstuhl zu stehen. Dass sie immer einen Dritten bei Gesprächen hinzuziehen. So eine Arbeitswelt finde ich komplett unattraktiv.

(...) Tagesspiegel: Muss eine junge CDU-Politikerin wie Jenna Behrends, die 2016 eine Debatte über Sexismus in der Politik lostrat, dann also damit leben, dass sie "süße Maus" genannt wird?

Kristina Schröder: Es ist ja sehr umstritten, was im Fall Jenna Behrends wirklich alles los war. Auf jeden Fall hat sie sehr schnell politische Mandate bekommen, für die andere zehn Jahre Plakate kleben.




3. In der Frankfurter Rundschau interviewt Joachim Frank Nora Gomringer zum Gedicht "avenidas" ihres Vaters. Ein Auszug aus diesem Gespräch genügt eigentlich schon:

Joachim Frank: Da liegt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Debatte über "avenidas" und der #MeToo-Kampagne gegen sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt.

Nora Gomringer: Faktisch ist beides vermengt worden, obwohl ich glaube: Es ist die richtige Debatte am falschen Objekt. Aber mal ehrlich, es bleibt mir ja auch fast nichts anderes übrig, als das zu sagen. Erst das Gedicht meines Vaters verteidigen und dann auch noch – Catherine-Deneuve-like – die #MeToo-Kampagne kritisieren? Was glauben Sie, was dann los wäre?




4. Selbst dass in der Sexismus-Debatte – wie eigentlich in allen Debatten zum Geschlechterthema – Frauen das große Wort führen und Männer zum Verstummen gebracht worden sind, lässt sich journalistischerseits als Ausdrucksform von Männerherrschaft umdeuten:

Solche Frauen werden derzeit von einer Talkshow in die nächste gereicht. Es sind immer dieselben. Die Männer sind derweil still. Der Kavalier schweigt und geniesst. Er hat auch keinen Grund, etwas zu sagen. Der Mann ist, ob er will oder nicht, nachweisbar Herr der erotischen Welt, egal, ob er die Gelegenheit, die sich bietet, nutzt oder nicht.


Natürlich reden wir Männer durchaus, hier und andernorts in den sozialen Medien sogar häufig. Wir verfügen nur über so gut wie keine Mikrofone. Diese stehen in großer Zahl bei den angeblich unterdrückten Frauen.



5. Die Neue Zürcher Zeitung beschäftigt sich mit den "biederen Barbaren" von heute:

Die Barbaren sind mitten unter uns. Sie lauern nicht am rechten oder unteren Rand der Gesellschaft, sie gehören nicht zu den Bildungsfernen und Bildungsverlierern, sie kommen nicht aus unterentwickelten Regionen, sondern sie sitzen an den Schaltstellen von Kunst und Wissenschaft, schreiben in Qualitätsmedien, diskutieren an Universitäten, leiten Gemäldegalerien, dominieren die Talkshows. Barbaren sind sie dennoch. Denn im Grunde ihres Herzens verachten sie die Kunst.


Hier geht es weiter.



6. In der Kommentarspalte des gestern veröffentlichten Beitrags von Lucas Schoppe über faschistoide Aspekte im Gegenwartsfeminismus kam es zu einer recht interessanten Debatte über den Umgang mit den faschistischen Männervernichtungsphantasien von Valerie Solanas, die sich in feministischen Kreisen bis heute großer Beliebtheit erfreuen.

Lucas Schoppe merkt dazu an:

Verrückt und erklärungsbedürftig ist (...) die enorme Skrupellosigkeit, mit der über Männer – als Gruppe und als Individuen – geredet und geschrieben werden kann. SCUM ist da nur ein besonders irres Beispiel.

Ich glaube, jeder Mensch, der auch nur ein, zwei Seiten des "Manifests" gelesen hat, merkt, dass Solanas damit an den Nationalsozialismus anknüpft – und zudem an den furchtbarsten der vielen furchtbaren Aspekte, an den industrialisierten Massenmord. Sie stellt diese Bezüge nicht subtil und versteckt her, sondern offen, klar und drastisch.

Die gern getätigte Behauptung, sie täte das mit satirischer Absicht, ist eine Schutzbehauptung, für die es keine Belege gibt. Die Sprache entwickelt durch ihre Drastik und Skrupellosigkeit für manche offenbar eine gewisse wilde Komik – aber der Text enthält überhaupt keine Ironiemarker.

Und wenn schon – was sollte denn damit satirisch überspitzt werden? Faschistoide Aspekte im Feminismus? Die Verwandlung der Holocaust-Erinnerung in Popkultur? Eine allgemeine Männerfeindlichkeit der Gesellschaft? Das ist alles ganz unwahrscheinlich.

Oft wird von Verteidigerinnen des Textes Swifts "Modest Proposal" als Vergleichstext herangezogen , aber dieser Vergleich ist ein Eigentor. Bei Swift ist nämlich die ungeheuer bittere Ironie den ganzen Text hindurch deutlich, so wie auch zweifelsfrei klar ist, wogegen sich die brutale Überspitzung richtet und welchen Zweck sie erfüllt. Eben das fehlt bei Solanas völlig.

Zur Beschreibung von Alkoholikerfamilien wird ja manchmal die Metapher vom "Dinosaurier im Wohnzimmer" verwendet. Der Alkoholismus eines Familienmitglieds (oder gar mehrerer) bedroht und zerstört zwar beständig die Familienstrukturen, aber alle sitzen mit diesem Dinosaurier gemeinsam friedlich im Wohnzimmer und tun so, als ob alles in Ordnung wäre.

Der tiefe Männerhass, der sich in Veranstaltungen wie der MeToo-Fashionshow oder im Solanas-Text zeigt, ist gleichsam der Dinosaurier im Wohnzimmer des Feminismus. Natürlich sind nicht alle Feministinnen Männerhasserinnen, so wie ja auch nicht alle Mitglieder von Alkoholikerfamilien Alkoholiker sind. Aber alle nehmen diesen Männerhass wahr und tun so, als wäre damit alles in Ordnung, zivil und nett. Und falls sie doch mal auf den Dinosaurier angesprochen werden, erklären sie schnell, der wolle doch nur spielen und meine es gar nicht so. Oder sie fragen unschuldig "Welcher Saurier denn? Siehst du hier einen Saurier?"

Für mich ist bei Solanas‘ Schrift aber noch ein anderer Aspekt wichtig. Der bleibende Erfolg dieses Textes zeigt, gerade in dessen nirgends verstecktem oder verbrämtem Anknüpfen an die nationalsozialistische Politik des Massenmords, dass der Nationalsozialismus auch für Menschen, die sich einer bürgerlichen Linken zuordnen, eine bleibende Attraktivität besitzt. Sobald sie eine Möglichkeit bekommen, dieser Faszination auf eine scheinbar politisch korrekte Art zu folgen, geben sie sich ihr regelrecht wonnevoll hin. Das ist schrecklich.

Der Schein politischer Korrektheit wird hier eben gerade dadurch hergestellt, dass sich die Massenmordphantasien gegen Männer richten. Auch das zeigt, wie wenig Männer – zumindest ALS Männer – im öffentlichen Diskurs geschützt sind. Männerhass wird regelrecht zur Entschuldigung für Menschen, die nationalsozialistischen Gewaltphantasien folgen wollen.

(...) Damit sind Männer heute natürlich immer noch nicht die neuen Juden. Solanas und ihre Fans bewegen sich zudem immer noch im Raum des Diskurses und bauen keine realen Konzentrationslager.


Darauf erwidert der linke Männerrechtler djadmoros:

Das ist natürlich zutreffend, aber die moderne, als "Antisemitismus" bezeichnete Judenfeindschaft beginnt nicht mit dem Vernichtungsantisemitismus der Nazis. Sie hatte eine Vorstufe, auf der das Judentum zum Inbegriff aller sozialen Probleme der modernen Gesellschaft erklärt worden ist, und in dieser Hinsicht finde ich die Analogien bezeichnend: alles, was man heute dem Mann vorwirft – pathologische Rationalität, pathologische Sexualität, pathologisches Streben nach Macht und Einfluß, pathologische wirtschaftliche Ausbeutung – hat man damals in ähnlicher Form dem Judentum vorgeworfen. Und zwar weithin erfolgreich, weil das komplexe Zusammenhänge auf ein simples Sündenbockmodell eingedampft hat und weil sich ein schwer artikulierbares Unbehagen mit der "sozialen Frage" scheinbar greifbar und plausibel zu machen schien.

Und darin ist der feministische Männerhass in meinen Augen ein präzises "funktionales Äquivalent" zum damaligen Judenhass. Der Jude wie der Mann werden gleichermaßen als "Zivilisationsschädling" definiert, um Probleme zu symbolisieren, die die Gesellschaft auf analytischem Wege nicht in den Griff bekommt. Umgekehrt wird über den spiegelbildlichen Kurzschluss "Frauenpolitik" als universeller Placebo installiert, um ersatzweise politische Handlungsfähigkeit zu simulieren, die in Bezug auf echte Probleme schon lange nicht mehr vorhanden ist.

Trotzdem bleiben natürlich historische Diskrepanzen übrig: weil es kein Äquivalent zum vorausgehenden jahrhundertelangen religiösen Judenhass und für den modernen, bürgerlichen Mann keine zum Judentum analoge Assimilationsgeschichte gibt, mit der er erst ein als vollwertig anerkanntes Gesellschaftsmitglied anerkannt worden wäre.

Aber Geschichte muss sich ja auch nicht immer eins-zu-eins wiederholen. Der springende Punkt ist in meinen Augen, dass sich der feministische Männerhass nicht einfach mehr auf eine alltägliche Doppelmoral beschränkt, sondern die Form einer kampagnenhaft inszenierten, kollektiven Hysterie annimmt – auch die McCarthy-Analogie wird ja zu Recht gezogen. Es sind dieselben Gruppen und Milieus, die sich an der Spitze der moralischen Freßordnung wähnen, die hier in ihrem faktischen Verhalten eine glatte Kopie, einen Klon dessen herstellen, was sie nominell lautstark verdammen: Sexismus und Rassismus. Und dabei VÖLLIG MERKBEFREIT sind.

Was beängstigenderweise bedeutet: Wenn die moderne Zivilisation keinen "Juden" mehr anbietet, dann muss er neu erfunden werden. Also wählt man sich die letzte Gruppe aus, bei der man das noch tun kann, ohne dass es offenkundig als Rassismus erkennbar wird. Nämlich Männer. Dass das überhaupt möglich ist, liegt vornehmlich daran, dass die über Jahrzehnte hinweg gepflegten und pseudowissenschaftlich geadelten feministischen Feindbilder zugleich in ihrem Feindbildcharakter verniedlicht und verleugnet wurden – beispielsweise in Gestalt des unaufrichtigen Umgangs mit dem Solanas-Text. Ich denke daher mittlerweile nicht mehr, dass der "Feminazi"-Begriff zu scharf ist, um sich gegen diesen zum Galopp gesteigerten Wahnsinn zu positionieren.


Bemerkenswert ist jedenfalls die bizarre Doppelmoral in diesem Lager. Während bei mancher feministischer Veranstaltung beispielsweise nicht mehr geklatscht werden darf, um empfindliche Anwesende nicht zu verängstigen, darf gegen Männer und Männerrechtler auch die extremste verbale Aggression aufgefahren werden. Und während Solanas Vernichtungsphantasien im Kulturbetrieb unbeanstandet bleiben, werden aktuell Harper Lee und Mark Twain vom Lehrplan gestrichen, weil sie eine "unbequeme Atmosphäre" erzeugen. Insofern hat die Neue Zürcher Zeitung Recht: Die Barbaren sind unter uns.

(Im rechten Lager tobt es natürlich ähnlich irre.)



7. Die ehrwürdige Londoner Times beschäftigt sich mit der neuen Zensurfreude vor allem in der jungen Generation. Ein Auszug:

Wir brauchen natürlich eine Moral, und zwar eine Moral, die dazu beiträgt, schlechtes Benehmen in Hollywood oder Oxfam in Frage zu stellen, aber dazu ist es nicht erforderlich, dass man sich in Bezug auf Sprache und Gedanken puritanischer verhält. Ich habe mich oft gefragt, wie es dazu kam, dass die Gesellschaften in der Vergangenheit plötzlich kritischer, konservativer und intoleranter wurden, etwa zu Beginn der viktorianischen Ära, aber ich dachte, dass ich in einer Zeit lebe, in der nichts davon passieren konnte, als die Kultur auf einer Einbahnstraße in Richtung Liberalität unterwegs war.

(...) Die Schlägertypen, die vor kurzem versuchten, Jacob Rees-Mogg daran zu hindern, an einer Universität zu sprechen, sind heute eine vertraute Routine auf dem Campus. Doch wie der amerikanische Journalist Andrew Sullivan warnt, ist der Campus ein Vorbote für die gesamte Gesellschaft: "Regularien am Arbeitsplatz lesen sich heute wie Campus-Sprachcodes von vor einigen Jahren. (...) Das Ziel unserer Kultur ist nun nicht mehr die Emanzipation des Individuums von der Gruppe, sondern die permanente Definition des Individuums durch die Gruppe. Früher nannten wir das Bigotterie. Jetzt nennen wir es 'politisch bewusst sein'. Sie sehen: Wir leben jetzt alle auf dem Campus."

Dennoch bleibe ich ein rationaler Optimist. Wie der Psychologe Steven Pinker in seinem neuen Buch, denke ich, dass "die Aufklärung funktioniert", immer noch. Die Vernunft kann über das Dogma, die Wissenschaft über den Aberglauben, die Freiheit über die Tyrannei, der Individualismus über die Apartheid siegen. Fortschritt ist nicht tot. Noch nicht. Aber wir haben zweifellos einige Schritte zurück in Richtung einer dunkleren Gesellschaft unternommen.


Ein weiterer aktueller Artikel der Times spricht an, wie Feministinnen auf Twitter gemäßigte Stimmen zum Schweigen bringen. Auch hieraus ein Auszug:

Während die Befürworter von #MeToo ihre anhaltende Macht feiern (...), haben andere argumentiert, dass die Bewegung auf unschöne Weise ausufert. "Die Post-Weinstein-Revolution hat ihre Phase des Terrors erreicht", sagte Kyle Smith, Filmkritiker der National Review. Was damit begann, schwere sexuelle Übergriffe zu thematisieren, so argumentiert er, zielt nun auch auf die Verfolgung von Akteuren wie Aziz Ansari und James Franco ab, deren angebliche Vergehen weitaus weniger schwerwiegend sind.

(...) Im Großen und Ganzen bilden sich zwei Gruppen heraus. Das gemäßigtere Lager, das [die Kultrukritikerin Katie] Roiphe als "schweigende Mehrheit" bezeichnet, besteht aus jenen, die sich klar dafür einsetzen, dass Missbrauchstäter wie Weinstein zur Rechenschaft gezogen werden, die sich aber gegen das ihrer Meinung nach wutentbrannte Überwachen von schlechten Dates, lüsternen Kollegen und einvernehmlichen Liebschaften am Arbeitsplatz wehren.

Die radikalere Gruppe schließt sich der Idee an, dass es eine Skala von "toxischer Männlichkeit" gibt: dass gruselige Textbotschaften und sexistische Witze auf einem Spektrum existieren, an dessen Ende sexuelle Übergriffe stehen. Um ein solches Verhalten zu verhindern, müsse die gesamte Struktur abgebrannt werden.

(...) Ein großer Teil der Energie der Bewegung wird jetzt für einen Reinheitskampf aufgewendet, bei dem jede Seite die feministischen Qualifikationen der anderen Seite in Frage stellt.

(...) Roiphe und andere Gemäßigte, die sich zu Wort melden, werden angegriffen, weil sie "Frauenfeindlichkeit ermöglichen" und den Patriarchen in die Hände spielen. Die solchermaßen Kritiserten wiederum stellen die radikale Herangehensweise einiger in #MeToo in Frage und argumentieren, dass Um-Hilfe-Geschrei wegen einer verirrten Hand oder einem misslungenen Date kontraproduktiv ist und die Bekämpfung schwerwiegendere Fälle von tatsächlichen Übergriffen untergräbt.

"Ich glaube nicht, dass diese Twitter-Feministinnen echte Feministinnen sind", sagte Roiphe. "Ein Teil der Sprache, die von dieser Bewegung benutzt wird, ist wirklich herablassend gegenüber Frauen; sie verweigert Frauen sexuelle Handlungsfähigkeit."

Roiphe warnt vor den Gefahren zwischen verschiedenen Typen männlichen Fehlverhaltens nicht mehr zu unterscheiden, vor der Gleichgültigkeit gegenüber einem fairen Prozess und dem Ersticken einer kontroversen Debatte. Das könne alle Angriffe auf das eigentliche Ziel untergraben: Männer wie Weinstein. "Wir haben diese Möglichkeit jetzt", sagte sie.

"Die Welt hört zu und ist fasziniert von diesem Moment des Wandels, aber stattdessen bringen wir diese wirklich zweifelhaften, rückschrittlichen Vorstellungen von Männern und Frauen vor. Es ist eine Chance, die von Extremisten und Gegnern der Meinungsfreiheit gefährdet wird. Ich habe das Gefühl, als würden wir die Niederlage dem Rachen des Sieges entreißen."

Dienstag, Februar 13, 2018

Die faschistische Seite von MeToo – News vom 13. Februar 2018

1. Gestern berichtete Genderama von einer MeToo-Modenshow, bei der Frauen die Flügel von Engeln und Männer die Masken von Schweinen tragen. Lucas Schoppe analysiert dieses Spektakel genauer:

Frauen haben hier ein Gesicht, einen Namen, eine Geschichte, die sie erzählen. Sie sind ausgestattet mit Insignien der Unschuld, mit Engelsflügeln oder weißen Kleidern. Sie sind Individuen.

Die Männer hingegen tragen allesamt die gleiche Schweinemaske, sind gesichts- und geschichtslos, nicht einmal menschlich, schon gar nicht individuell, gekettet an Insignien der Schuld, an Handschellen. Sie erzählen nichts, sie schweigen.

Männer sind hier schuldig nicht einmal durch das, was sie tun, sondern durch das, was sie sind – Schweinemenschen eben, Untermenschen, Dreck.

Natürlich greift das auf eine Bildlichkeit des Faschismus zurück, genauer, auf eine Bildlichkeit, die im organisierten Hass auf Juden schon seit dem Mittelalter nachgewiesen werden kann. Auf ihrer Instagram-Seite präsentiert sich Chalek davon unberührt als "Philantropin" und als "Diversity & inclusion advocate". Die faschistoide Spaltung der Menschheit, die sie als Modegag arrangiert und die sie zugleich als soziales Engagement verkauft, widerspricht ihrer Selbsteinschätzung wohl nicht einmal: Als "Philantropin" liebt sie eben die echten Menschen, nicht die Schweine – und als Diversity Advokatin setzt sie sich eben dafür ein, die Individualität der echten Menschen zu präsentieren und die hemmende Macht der Schweinemenschen zurückzudrängen.

Doch seltsam: Während in der MeToo-Bewegung sonst eine unvorsichtige oder leise kritische Äußerung sogleich zu erregtem, hundertfachem Protest und zu Forderungen des Berufsverbots führt, ist die faschistoide, antihumane Bildlichkeit dieser MeToo-Show für die Aktivistinnen und Aktivisten schlicht kein Thema. Unser Faschismus ist eben immer ein guter Faschismus, irgendwie.


Im weiteren Verlauf seiner lesenswerten Analyse zeigt Schoppe, wie die damalige Bundesfrauenministerin Schwesig (SPD) eine ähnlich menschenverachtende Bildsprache verwendete (und ihr Ministerium sie heute noch verwendet), allerdings mit realem Schaden für männliche Opfer.



2. In der aktuellen Sonntagsfrage von INSA liegen SPD und AfD inzwischen fast gleichauf.



3. In der Basler Zeitung sieht Tamara Wernli den "Feminismus außer Kontrolle":

Es böte sich ja noch weiteres Entrümpeln an auf dem Weg in die neue Prüderie. Nach den Gridgirls werden wohl die küssenden Ehrendamen beim Radfahren verbannt (schon geschehen mancherorts). Dann die Nummern-Girls beim Boxen. Cheerleader. Misswahlen. Heidi Klums Girl-Parade. Playmates. Die Victoria's Secret-Show. Pornostars. Vielleicht wäre es einfacher, wenn man Glamour und Sexyness grundsätzlich aus der Gesellschaft verbannen würde. Wenn es Frauen nämlich nicht mehr gestattet ist, feminin und sexy zu sein, können jene von Bitterkeit in Beschlag genommenen Damen, die weniger feminin und sexy sind, nicht beleidigt sein. Wenn ein feministischer Wächterrat mitentscheidet, welche Frau welchen Job ausüben darf, ist das ein Rückschritt für die Gesellschaft.


Gut, das ist jetzt womöglich etwas überdramatisiert. Es fordert ja nun wirklich niemand einen "feministischen Wächterrat", der Sendungen wie Heidi Klums "Germany's Next Top Model" verbietet.



4. Hoppla. In der "Süddeutschen Zeitung" fragt Rainer Stadler, "wieso Heidi Klum in Zeiten von #MeToo immer noch ihr verheerendes Frauenbild zur besten Sendezeit auf Teenies loslassen darf."



5. Die britische Labour Party muss sich den Vorwurf der Diskriminierung gefallen lassen, nachdem sie heterosexuellen weißen Männern die Teilnahme an einer "Equality Conference" verwehrte.

Montag, Februar 12, 2018

Oscar-Preisträger: "Dieser neue, männerhassende Puritanismus besorgt mich"

1. Mit dem Oscar-Preisträger Michael Haneke spricht sich eine weitere Person außerhalb des journalistischen Lagers gegen die MeToo-Kampagne aus.

Natürlich finde ich, dass jede Form von Vergewaltigung oder Nötigung zu ahnden ist. Das ist ja gar keine Frage! Aber diese Vorverurteilungshysterie, die jetzt um sich greift, finde ich absolut degoutant. Und ich möchte nicht wissen, wie viele dieser Anklagen, die sich auf Vorfälle vor 20 oder 30 Jahren beziehen, in erster Linie Abrechnungen sind, die mit sexuellen Übergriffen nur wenig zu tun haben.

(...) Was mich (...) an der jetzigen Debatte stört, ist die völlig unreflektierte Gehässigkeit, die blinde Wut, die sich nicht an Fakten orientiert und vorverurteilend das Leben von Menschen zerstört, deren Straftat in vielen Fällen noch gar nicht erwiesen ist. Leute werden einfach medial gekillt, Leben und Karrieren ruiniert.

(...) Jeder Shitstorm, der nach solchen "Enthüllungen" sogar über die Internet-Foren seriöser Zeitungen hereinbricht, vergiftet das gesellschaftliche Klima. Und das macht jede Auseinandersetzung mit diesem sehr wichtigen Thema umso schwieriger. Bei der Bösartigkeit, die einem im Internet entgegenschlägt, stockt oft der Atem. Dieser neue, männerhassende Puritanismus, der im Kielwasser der #MeToo-Bewegung daherkommt, besorgt mich.

(...) Oshimas Film "Im Reich der Sinne" – sicher einer der tiefsten und profundesten zum Thema Sexualität – könnte heute nicht mehr gedreht werden, weil die Förderungs-Institutionen in vorauseilendem Gehorsam gegenüber diesem Terror das nicht zulassen würden. Verdächtigte Schauspieler werden aus Filmen und Serien herausgeschnitten, um keine Besucherzahlen einzubüßen. Vor diesem Feldzug gegen jede Form von Erotik bekommt man es als Künstler mit der Angst zu tun. Wo leben wir denn? In einem neuen Mittelalter? Nochmals: Das hat alles nichts damit zu tun, dass jeder sexuelle und jeder gewaltsame Übergriff – egal ob gegen Frauen oder Männer – zu verurteilen und auch zu bestrafen ist, aber die Hexenjagd sollte man im Mittelalter belassen.

Ich kann mir vorstellen, was man im Netz nach diesem Interview lesen kann: Haneke, the male chauvinist pig.




2. Bei einer MeToo-Modenschau tragen Frauen die Flügel von Engeln und Männer die Masken von Schweinen. Dabei sind die Frauen mit Handschellen an die Männer gefesselt.



3. Die CDU-Politikerin Simone Roemer verweigert sich dem Lagerdenken: "Warum ziehen wir heute noch einen Graben zwischen Feministen und Anti-Feministen, das ist doch nicht zeitgemäß."



4. Eine britische Regierungsstudie enthüllt, dass Pflegeeltern Angst davor haben, ihre Kinder zu umarmen, weil sie befürchten, danach sexuellen Missbrauchs beschuldigt zu werden.

Der Bericht sagt aus, dass Kindern "die physische oder emotionale Zuneigung, die sie brauchen, um gedeihen zu können", verweigert wird, weil den Betreuer "beigebracht wurde, Angst vor möglichen Anschuldigungen zu haben".

Eine lokale Behörde rät den Betreuern, den Körperkontakt "sicher und schützend zu gestalten und die Erweckung von sexuellen Erwartungen, Gefühlen oder sexuellen Stereotypen zu vermeiden" – ein Ratschlag, den die Untersuchung als "deprimierend" bezeichnete.

Die Beratung einer anderen Förderorganisation konzentriert sich speziell auf männliche Betreuer und sagt ihnen, dass sie "sich bewusst sein sollten, dass körperliche Zuneigung gegenüber Kindern/Jugendlichen falsch interpretiert und ihnen gefährlich werden könnte".

Zudem sollten männliche Betreuer "wegen des Risikos entsprechender Beschuldigungen" Kinder bitten, sich auf den Rücksitz zu setzen, wenn sie sie im Auto mitnehmen.

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